Vorschau

Fabrik der Begehrlichkeiten

Werke aus der Sammlung LBBW

28. Januar bis 23. Mai 2027

Wir leben in einer Zeit vielfältiger Wünsche und Begehrlichkeiten – nach Konsumgütern, aber ebenso nach Sichtbarkeit, Sicherheit, Individualität und Zugehörigkeit. Wo entstehen sie, wie prägen sie unseren Blick auf die Welt – und welche davon machen wir uns zu eigen?

Die Kunstsammlung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) reagiert mit ihrem Sammlungskonzept auf zentrale gesellschaftliche Transformationen – von Globalisierung und Digitalisierung bis zu Nachhaltigkeit, Migration und Identität – und macht gesellschaftliche Komplexität sichtbar.

Die Fabrik der Begehrlichkeiten

Der Titel versteht die „Fabrik“ nicht als konkreten Ort, sondern als Bild für eine Gegenwart, in der nicht nur Waren, sondern auch Bedürfnisse, Werte und Wirklichkeiten produziert werden. (Soziale) Medien, Wirtschaft, Technologie, Politik und Kultur prägen unsere Vorstellungen davon, was als erstrebenswert gilt – wie wir leben, arbeiten und aussehen wollen. Sichtbar werden dabei auch die Kehrseiten: Scheitern, der Preis von Anerkennung, die Grenzen von Wachstum und Selbstoptimierung.

Anhand von sieben Sammlungsschwerpunkten – Identität und kulturelles Gedächtnis, Ökonomisierung, Digitalisierung, Macht der Sprache, Ästhetisierung des Alltags, Bildaneignungsstrategien sowie Umwelt und Nachhaltigkeit – wird erfahrbar, wie sich die Unternehmenssammlung der LBBW mit den Fragen der Gegenwart verschränkt und wie künstlerische Positionen Wünsche und Sehnsüchte formen, verstärken oder hinterfragen.

Was begehren wir – und wer oder was bringt dieses Begehren hervor?

Die über 100 Werke der Ausstellung machen Mechanismen der Verführung und Wertbildung sichtbar, untersuchen gesellschaftliche Zuschreibungen und Machtverhältnisse. Sie entwerfen Gegenbilder, offenbaren die Wechselwirkung von Mensch und Natur oder fragen, welche Versprechen sich an Konsum und technologischen Fortschritt knüpfen. Künstler*innen zeigen, wie Vorstellungen von Wert und Zugehörigkeit entstehen, wie Bilder unsere Wünsche und Selbstbilder formen – und wo sich schließlich Möglichkeiten eröffnen, bestehende Ordnungen zu hinterfragen.

Die Kunstsammlung der LBBW

Mit mehr als 3.000 Werken und einer über fünfzigjährigen Geschichte zählt die Sammlung LBBW zu den bedeutenden deutschen Unternehmenssammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst. 2018 wurden sieben Sammlungsthemen festgelegt, die unter dem Leitgedanken „Collecting Contemporary“ gezielt um aktuelle Positionen aus Deutschland erweitert werden – von Malerei, Zeichnung und Fotografie über Skulptur und Medienkunst bis zu raumgreifenden Installationen. Durch Ausstellungen, Kooperationen mit Museen sowie Kunstmessen, Vermittlungsformate und einem internationalen Leihverkehr macht die LBBW ihre Sammlung öffentlich erlebbar. Zudem befinden sich bedeutende Werke, wie etwa Gemälde von Otto Dix, Hans Purrmann oder Hans Holbein d. Ä. als Dauerleihgaben in musealen Institutionen.

In Mainz, einem der vier Hauptsitze der LBBW, setzt die Sammlung LBBW mit der umfangreichen Ausstellung ihr gesellschaftliches Engagement fort und zeigt über 100 Werke der Sammlung. Dabei konzentriert sich die Präsentation „Fabrik der Begehrlichkeiten“ – im Einklang mit dem zeitgenössischen Konzept der Kunsthalle Mainz – auf Werke ab 1960.

Kuratiert von Sarah Haberkorn (Leiterin Sammlung LBBW), Nadia Ismail (Direktorin Kunsthalle Giessen) und Gregor Jansen (ehem. Direktor Kunsthalle Düsseldorf), die gemeinsam das Fachkuratorium der Sammlung LBBW bilden.

Das Bild zeigt ein Kunstwerk von Rebekka Benzenberg. Das Kunstwerk von 2024 heißt: Der seltene Fang.

Rebekka Benzenberg, Der seltene Fang, 2024, Kunststoff, Glasfaser, Metall-Beschichtung, Aluminium, Foto: Tamara Lorenz, Courtesy Rebekka Benzenberg und MARTINETZ, Köln