Theoretisch geht's mir gut
05/07/21—22/08/21

Benedikte Bjerre
Hannah Black
Samantha Bohatsch
Johannes Büttner
Pilvi Takala

Ausstellung in der Kunsthalle Mainz und dem Mainzer Taubertsbergbad

 

theoretisch (Adjektiv) – [nur] gedanklich, die Wirklichkeit
nicht [genügend] berücksichtigend – Duden


„Wie geht es Dir?“ Mit der Frage nach dem eigenen Wohlbefinden werden wir tagtäglich konfrontiert. Eine Floskel, ein Opener für jede analoge, wie auch digitale Konversation. Und auf der anderen Seite die vielleicht intimste Frage, die man einer Person stellen kann, ohne distanzlos zu erscheinen. Eine Frage, die den*die Adressat*in direkt anspricht, die ihn*sie bei sich selbst abholt, die Interesse an der Person bekundet. Der vor einem Restaurant stehende Promoter bewirkt mit einem „Hey! How are you?” unter Umständen nicht allein, dass wir stehen bleiben. Er bewirkt vielleicht, dass wir nicht nur die Entscheidung treffen, uns näher mit seinem Angebot zu befassen oder weiter gehen, sondern dass wir unser eigenes Befinden hinterfragen. Wir könnten zu dem Urteil kommen: „Gut. Es geht mir gut.“

Aber ist „gut“ das Optimum? Wie sieht eigentlich ein Optimalzustand aus? Wann befinden sich Körper und Geist in Einklang? Wer legt fest, wann das „gut” erreicht ist? Bezeugt das im Ausstellungstitel dem „geht’s mir gut“ vorangestellte „theoretisch“ einen Mangel? Geht es um das tatsächliche Wohlbefinden oder gerade um die Infragestellung dessen, was wir als gut erachten? Und wann ist nicht mehr der*die Einzelne gemeint, wann verlagert sich dieses „gut” auf gesellschaftliche oder wirtschaftliche Ebenen?

Die ehrliche Beantwortung der simplen Frage „Wie geht es Dir?“ würde Verwundbarkeit offenlegen. Die Frage drängt also geradezu in Ausweichmanöver hinein. Sobald die Gefahr besteht, Erwartungshaltungen und Normierungen nicht zu entsprechen, mit gesellschaftlichen Stereotypen zu brechen oder die Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu verlieren, legt die Frage nach dem eigenen Wohlbefinden schnell die Fragilität innerer und äußerer Umstände offen.

Dabei stehen wir permanent unter Beobachtung, der wir uns selbst unterziehen, die aber auch von der Gesellschaft ausgeht, zu der wir gehören möchten. Gesellschaftliche Anforderungen und Kategorisierungen geben Rollenbilder vor, innerhalb derer wir uns bewegen, die durch unseren Körper erfahrbar werden. Das Einordnen von Handlungen, die Kategorisierung und Normierung führen dazu, dass wir nicht nur versuchen uns anzupassen, sondern besser zu werden, dem eigenen Sein so einen Sinn und Legitimation zu geben.

Theoretisch geht's mir gut bildet eine einzigartige Kooperation zwischen der Kunsthalle Mainz und dem Mainzer Taubertsbergbad. In einem Ausstellungshaus und einem Schwimmbad gehen fünf internationale Gegenwartskünstler*innen diesem Ausspruch und seinen Implikationen nach. Sie beziehen den menschlichen Körper in multimediale sinnliche Verhandlungen ein. Die Gruppenausstellung Theoretisch geht's mir gut lädt dazu ein, den Körper als Material zu erkunden, durch das die Welt und Grenzen spürbar werden und ihn als Projektionsfläche eigener und fremder Erwartungen zu begreifen.

 

Die Ausstellung wird unterstützt durch das Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz und Danish Arts Foundation.

Kuratiert von Lina Louisa Krämer. 

 

Begleitheft zur Ausstellung (PDF)