Daniel Buren & Bettina Pousttchi

15/12/17 - 01/04/18

Initialzündung für die Ausstellung von Daniel Buren (*1938) und Bettina Pousttchi (*1971) bildete die Arbeit Conversations in the studio 3. Darin nahm Pousttchi ihre Unterhaltung mit dem französischen Konzeptkünstler Buren auf – ein Gespräch zwischen Künstlern zweier unterschiedlicher Generationen über Kunst im öffentlichen Raum und deren Beschränkungen, über Blickwinkel und Berührungspunkte.

Für ihre Ausstellung in der Kunsthalle Mainz setzen Bettina Pousttchi und Daniel Buren ihre Zusammenarbeit fort, intensivieren sie sogar: Zwei Künstler, die mit Raum und Ort arbeiten, werden in Abstimmung aufeinander existierende Arbeiten mit neuen, ortsspezifischen Werken in Beziehung setzen. Die Kunsthalle Mainz mit ihrer außergewöhnlichen Architektur und Geschichte bildet dafür den idealen Austragungsort. Sie eröffnete vor neun Jahren nach einer umfangreichen Umgestaltung. Der Bau des Gebäudes selbst führt weit zurück in die Geschichte der Stadt Mainz – zu dem ehemaligen Stadtbaumeister, Eduard Kreyßig. Seit 1887 bis ins 20. Jahrhundert hinein versorgte das einstige Kessel- und Maschinenhaus den Zoll- und Binnenhafen sowie die Mainzer Neustadt mit Energie. Während des zweiten Weltkrieges bot es Mainzer Familien Obdach und Schutz während der Bombardierungen. Erst im Zu­ge der Neu­ge­stal­tung des Main­zer Zoll­ha­fens und des­sen Um­nut­zung fiel die Entscheidung dort eine Kunst­hal­le zu er­rich­ten. Der 2007 abgeschlossenen Um­bau des eingeschossigen backsteinernen Kes­sel­hau­ses resultierte in fensterlosen White Cubes, die mit dem denkmalgeschützten gründerzeitlichen Außenbau kontrastieren. Die ehemalige schmale Baulücke zwischen Lokschuppen und Kesselhaus schließt ein 21 Me­ter ho­her und um sie­ben Grad ge­neig­ter Turm. Die Verbindung von kleineren Kabinetträumen und großzügigen White Cubes, die Kombination von Architekturen des 19. und 21. Jahrhunderts sowie das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Funktionen durch die Geschichte hindurch bildet die ideale Wirkungsstätte für Daniel Burens und Bettina Pousttchis räumliche Eingriffe. Pousttchi zersetzt in ihren Arbeiten immer wieder reale Zeit- und Raumverhältnisse, indem sie die Geschichte der Orte, frühere Architekten und Künstler mit gegenwärtigen Funktionen und Erscheinungsformen von Gebäuden verbindet. Buren hingegen legt in seinen mit Streifen überzogenen Werken und installativen Setzungen jegliche Bezüge und Einflüsse aus einer „äußeren Geschichte“ ab. Die Verlängerung und Vergegenwärtigung der Geschichte treffen also auf die Negierung von Narration und des spezifischen Zeitbezuges.